Bewältigen von Krankheiten

bridge-19513_1920von Merle Dulmadge, IIT

Es ist gut, dass wir nicht in die Zukunft schauen können, denn wenn wir das könnten, würden wir wahrscheinlich eine ganze Menge Zeit und Energie darauf verwenden, uns Sorgen zu machen über das Unvermeidliche. Unwissenheit in dieser Situation ist, in der Tat, ein Glück. Alles scheint sich einfach gut zu entwickeln – und dann, innerhalb eines Augenblicks, fällt alles auseinander. Du siehst es nicht kommen. Bei einigen von uns passiert es so, dass die Krankheit kommt, wir durchleben sie und dann geht das Leben im Großen und Ganzen so weiter wie vorher. Für andere ist die Krankheit so einschneidend, dass sie unser Leben für immer verändert, und das kann in einer Nanosekunde passieren.

Ein Jahr, das in Erinnerung bleibt

Das Jahr 2015 begann, wie die meisten Jahre, ziemlich normal. Nicht im geringsten ahnte ich, dass es ein Jahr des Zu-Ende-Gehens werden würde – des Zu-Ende-Gehens von Leben, von guter Gesundheit, von Lebensphasen. Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, hätte ich alles sehr viel stärker wertgeschätzt.

Im Laufe des letzten Jahres gab es viele Todesfälle von mir sehr lieben Menschen. Manche von ihnen waren schon älter und es war zu erwarten, dass ihr Ende nahe war, aber einige waren ziemlich jung, und ihr Tod kam schnell und unerwartet.

Doch die wesentliche Veränderung im letzten Jahr hatte zu tun mit meiner eigenen Gesundheit und der von einigen engen Freunden. Meine Gesundheitsprobleme begannen mit vier Erkältungsperioden, die sich alle über 4 – 6 Wochen hinzogen. Mein Energieniveau fiel dramatisch bis zu einem Punkt, wo ich schon bei der geringsten Anstrengung keine Luft mehr bekam. Dann bekam ich Schmerzen in der Brust und in den Schultern. Als ich eines Tages im Juni beim Golfen war, erlitt ich einen Herzinfarkt. Ich durchlief die ganze Serie von nötigen Tests – und am Ende wurde nichts gefunden und die Schmerzen verschwanden genauso geheimnisvoll, wie sie aufgetaucht waren. Im Laufe eines Jahres landete ich viermal wegen vier verschiedener Ursachen auf der Notaufnahme. Meine Krankheiten kamen aus dem Nichts und verschwanden – fast genau auf den Tag – ein Jahr später ebenso mysteriös. Als alles gesagt und getan war, war ich schließlich wieder gesund, ohne offensichtlichen Grund für irgendeines der gesundheitlichen Probleme. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

Krankheit – Fluch oder Segen?

Wir glauben vielleicht, dass eine Krankheit uns daran hindert, unser Leben in seiner ganzen Fülle zu leben, aber tatsächlich ist sie ein Weckruf des Universums mit dem Ziel, uns zum Handeln zu bringen. Durch eine Erkrankung erfahren wir, dass wir aus dem Gleichgewicht sind – körperlich, emotional oder mental. Geradeso wie ein Pilot seinen Kurs ständig anpassen muss, um ein Flugzeug auf dem richtigen Kurs zu halten, müssen wir ständig unseren eigenen Kurs korrigieren, um ausgeglichen und gesund zu bleiben. Wenn wir also krank sind, dann teilt uns das Geistige auf diese Weise mit, dass wir uns nicht mehr im Gleichgewicht befinden. Vielleicht hat es schon vorher einen Hinweis gegeben, auf der mentalen oder emotionalen Ebene, und wir haben diesem nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt. Wenn die Symptome schließlich auf der körperlichen Ebene auftauchen, ist das gleichbedeutend damit, von einer Holzlatte getroffen zu werden – und das können wir nicht länger ignorieren.

Hinter allem, was mit Krankheit oder Leiden zu tun hat, stehen metaphysische Ursachen. Beispiele:

Herz (Liebe und Sicherheit) – du nimmst dir alles zu Herzen; geringer Selbstwert; Angst, nicht geliebt zu werden.

Schultern (Verantwortung) – du trägst eine schwere Last.

Hals (Möglichkeit zum eigenen Ausdruck und zur Kommunikation) – du sprichst nicht für dich selbst,stehst nicht für dich ein oder lässt dir etwas von anderen eintrichtern; Schwierigkeit, nein zu sagen.

Wir sind nicht allein mit diesem Problem

Was ich erkannte, ist, dass es bei der Erfahrung einer Krankheit (sich krank oder einfach nicht gut zu fühlen) nie nur um mich geht oder um das, was mir passiert. Sie wirkt sich auf alle direkt um mich herum aus und auch auf alle, die mir nahe stehen. Was mit mir geschieht, kann auch Themen für sie triggern, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen. Vielleicht hält meine Erfahrung ihnen den Spiegel vor.

Zum Beispiel starb mein Schwager ganz plötzlich im Alter von 64 Jahren an einem Herzinfarkt, was für meinen Sohn ein großer Schock war und ihn sehr getroffen hat. Er hatte seinen Onkel und Taufpaten verloren. Doch sich zu entscheiden, zur Abschiedsfeier zu gehen, würde bedeuten, seinem Vater gegenübertreten zu müssen, der ihm fremd geworden war und ihn verlassen hatte, als er noch sehr jung war. Das löste einen Zustand heftiger Beklemmung aus, was bei ihm zu Angina-Problemen führte.

Zu sehen, wie mein Sohn dieses ganze Trauma und diese Qualen durchlebte, brach mir das Herz – und führte auch bei mir zu einem Zustand, in dem ich krank wurde. Bei allen dreien von uns ging es um Herzprobleme.

Wenn wir oder diejenigen, die uns nahestehen, krank werden oder leiden, tun wir, was wir können, um mit diesen Problemen fertigzuwerden und uns gegenseitig zu helfen und zu unterstützen. Doch oft geht es um etwas sehr viel Größeres als um das, was auf der persönlichen Ebene passiert. Es geht darum, welche Auswirkung es auf Gemeinden und ganze Länder hat. Manchmal nehmen wir die Erfahrung, Krankheit und Leiden zu bewältigen, auf uns, um dadurch beizutragen, das kollektive Bewusstsein der Gesellschaft zu heilen.

Meine Erkenntnisse

Ich glaube, es gibt einen Grund für alles, was geschieht. Es gibt keine Zufälle. Wenn ich mich also mit einer Herausforderung konfrontiert sehe, versuche ich, darin das Geschenk des Universums zu finden. Wenn wir aus unseren Erfahrungen nicht etwas lernen, werden wir einfach immer weitere Herausforderungen präsentiert bekommen, bis wir es schließlich „kapieren“.

Das also sind die Lektionen, die ich durch Krankheiten gelernt habe:

  • Bring deiner Erfahrung Wertschätzung entgegen! Durch sie lernst du etwas über dich selbst und darüber, wie dein Körper funktioniert, und sie lässt dich all das erleben, was es gibt – das Gute, das Schlechte und das Hässliche. Wir sind ganzheitliche Menschen.
  • Herausforderungen sind unsere Übergangsriten, während wir wachsen und uns weiterentwickeln.
  • Wenn ich früher an meine Anhaftungen dachte, dann hatte ich dabei Dinge oder Menschen vor Augen, doch ich wurde gezwungen, mich mit meinen Anhaftungen in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden auseinander zu setzen – und sogar mit meiner Anhaftung an das Leben selbst.
  • Krankheit und Leiden sind lediglich Symptome des wirklichen Problems, nämlich des spirituellen Ungleichgewichts in unserem Denken, unseren Einstellungen und Gefühlen.
  • Die Auseinandersetzung mit unseren Ängsten ist die wichtigste Arbeit, die wir für unser spirituelles Wachstum tun können.

Merle Dulmadge begann ihr Studium bei Tanis im Jahr 2000 und arbeitete bis 2011 als IIT-Büromanagerin. Merle hatte eine eigene Beratungsfirma (Dulmadge and Associates Inc.), die hauptsächlich auf Effektivität in Unternehmen und auf Entwicklung von Führungseigenschaften spezialisiert war, bis sie im Februar 2012 in Ruhestand ging. Heute spielt sich ihr Leben zwischen ihrem Zuhause in Lantzville, B.C., Kanada auf Vancouver Island und dem Überwintern in Yuma, AZ, USA ab.

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